
Mit der Einführung des iPads folgt nach dem iPhone/iPod Touch eine weitere für den Massenmarkt bestimmt Plattform, welche keine Unterstützung der Flashtechnologie vorsieht. Bedeutet dies das Ende von Flash oder eine neue Herausforderung für Adobe.
Die Geschichte um den Niedergang von Flash ist fast so alt wie das Internet, bzw. seit Einführung von Netscapes Plugin-Technologie und dem damaligen Vorläufer FutureSplash Animator. Widerstand gab es von allen Seiten, es ist ungeeignet für Screenreader, Keine Unterstützung durch das W3C, unterschiedliche Performance auf verschiednen Plattformen, geringe Reichweite, umständliche Installation und vieles mehr. Andererseits hat Flash zweifelsohne einen grossen Anteil an der Verbreitung von Film, Ton und 3D-Inhalten und der Etablierung von Portalen wie Youtube und MySpace.
Wo steht Flash heute.
Flash ist laut Adobe auf 99% aller PCs installiert allerdings basiert diese Berechnung auf diejenigen Browser, die das Flash-Plugin unterstützen. Auch in Sachen Barrierefreiheit hat sich einiges getan, wenn dies auch mit mehr Aufwand im Vergleich zu HTML verbunden ist. In der Bannerwerbung ist Flash durch seine interaktiven und medialen Möglichkeiten beliebt. Die Verbreitung auch auf anderen Plattform ist enorm, Symbian, Android und sogar Konsolen wie die Xbox 360 und PS3 unterstützen mittlerweile die Flashtechnologie. einzige Ausnahme ist das iPhone OS von Apple.
Flash und das iPhone
Apple ist darauf Bedacht dem Nutzer das grösstmögliche Erlebnis zu bieten. Und dies nicht nur im Design der Hardware sondern auch bei der Bedienung der Software. Und dafür zahlt der Kunde auch gerne den deutlich höheren Preis als für vergleichbare Produkte. Apple lebt von dieser Marge daher ist es für Apple lebenswichtig dieses Versprechen dem Kunden gegenüber zu halten.
Nicht zuletzt darum ist Apple bemüht die Kontrolle über die auf dem iPhone OS ausgeführten Applikationen zu behalten. Mittels dem Distributionskanal über den iTunes App Store und dem oft kritisierten Genehmigungsprozess schafft es Apple nicht nur inhaltskritische Anwendungen (Stichwort Porno, Diskriminierung, etc.) die dem Image Apples schaden könnte, sondern auch schadhafte Software und Viren. Und die Nutzer sind insgeheim froh über diese Vorsorge.
Wenn daher nach Aussage von Apple das Flash-Plugin für die meisten Systemabstürze auf dem OSX-System verantwortlich ist, dann kann man nachvollziehen, warum sich Apple gegen Flash auf dem iPhone OS sperrt. Denn dies trübt in grossem Masse das Benutzererlebnis. Zudem ist Flash äusserst ressourcenhungrig und verkürzt die Laufzeit mobiler Geräte signifikant.
Kürzlich äusserte sich Steve Jobs während einer iPad-Demo beim Wall Street Journal deutlich und ablehnend gegenüber Flash auf dem iPad und zog einen Vergleich mit der Entrüstung gegenüber Apple, als bei der Einführung des iMac dieser ohne Diskettenlaufwerk ausgeliefert wurde und dennoch ein Verkaufsschlager wurde.
Adobe vs Apple
Klar das in dieser Situation Adobe wiederum bemüht ist über die Nutzer Druck auf Apple auszuüben um Flash auf die iPhone OS Plattform zu bringen. Auf dem Blog dragonfire ist unteren dem Titel „Who Can Do Something About Those Blue Boxes?" hierzu eine interessante Übersicht zu finden, welche Szenarien möglich sind.
- Adobe würde gerne Flash für das iPhone OS freigeben, kann es aber nicht.
- Apple kann es, macht es aber nicht (aus den oben genannten Gründen)
- Die Verbraucher üben auf Apple Druck aus damit Flash implementiert wird, indem sie iPhone, iPad und iPod Touch boykottieren - aber das Gegenteil ist der Fall.
- Webseitenbetreiber werden bei ihr Angebot auf andere Technologien ausweichen und Flashinhalte aus ihrem Angebot entfernen.
Adobe verfolgt im Augenblick die Strategie #3 und ist bemüht die Nachteile von Flash zu widerlegen und bemüht sich intensiv um andere Plattformen wie Android, ChromeOS, Symbian etc.
Zu beobachten ist allerdings vielmehr die Tendenz vieler Anbieter auf andere Technologien zu setzen und sich unabhängig von der Flashplattform zu machen. Ihr Interesse und Bestreben liegt vor allem darin möglichst viele Konsumenten zu erreichen. Und aus diesem Blickwinkel betrachtet ist die wenig technikaffine aber konsumfreudige Zielgruppe der iPhone-, iPod- und iPad-Nutzer viel zu attraktiv als dass man sie nicht erreichen möchte.
Die Aussichten für Adobe sind so gesehen äusserst schlecht - zumindest in Hinblick auf Flash. Auch wenn der Rückhalt bei den Entwicklern enorm ist, wird die Zukunft über den Inhalt entschieden.
Dennoch hat gerade mit der Einführung des iPads und dem damit verbunden Umdenkungsprozess im Verlagswesen einen Entwicklung eingesetzt, welches ein grosses Potential für Adobe hat. Im Bereich Desktop-Publishing kommt man heutzutage nicht um Adobe herum. InDesign und InCopy sind defacto Standards für die Erstellung von Printmedien.
Mit Sicherheit hat Adobe bereits einen Plan B in der Hand. Dieser könnte so aussehen, dass Flash im Browser stirbt, Flash als Entwicklungsumgebung (Adobe Flex) weiter existieren und entwickelt wird. Es wird mit Sicherheit an einer Lösung, sprich Exportmöglichkeit gearbeitet, um aus der Flex-Entwicklungsumgebung eine entsprechende Ausgabe zu erzeugen, ähnlich dem angekündigten Nativ-App-Export aus Flash.
Umgekehrt wird es für Adobe auch immer aufwendiger und komplizierter die Entwicklung von Flash auf allen Plattformen hinsichtlich Performance und Funktionsumfang auf dem gleichen Niveau zu halten. Gerade die in jüngster Zeit hinzugekommenen Eingabemethoden und Sensoren, wie GPS, Accelerometer, Kamera, Multitouch, etc. erhöhen die Komplexität und damit die Fehleranfälligkeit des Systems Flash.
Flash ein Überbleibsel aus der Urzeit des Internets
So gesehen stellt sich die Frage, ob Flash überhaupt noch zeitgemäss ist und nicht ein Saurier aus der Kreidezeit des Internets ist und von weiterentwickelten Technologien wie AJAX, h.264 Codec und HTML 5 verdrängt wird.
Viele der damaligen Gründe von Flash wie Animationen, Interaktionsmöglichkeiten, Darstellung von Schrift, Film und Ton ist für die heutigen Browser eine Selbstverständlichkeit, wenn auch mit kleinen Unterschieden. Die Vorzüge sind bis auch wenigen Nischenanwendungen wie zum Beispiel für Augmented Reality Anwendungen verschwunden geblieben sind die Nachteile: schlechte Performance, hohe Prozessorauslastung, Sicherheitsrisiko, Barrierefreiheit und browseruntypisches Verhalten (z.B. Back-Button oder Reload).
Fazit
Adobe verfügt mit Sicherheit über genügend neue Technologien und Know-How um für die Zukunft die Werkzeuge zu liefern, die Content-Anbieter benötigen um für die neuen Net-Devices Inhalte und Dienstleistungen bereitzustellen. Ein verkrampftes Festhalten an Flash blockiert nicht nur Ressourcen sondern blockiert auch eine Kooperation mit Apple.